Jan-Peter E.R. Sonntag @ Galerie Wedding

Nymphae_M Rauscheck

Nymphae_M Rauscheck

ein psychoakustischer kommunaler Raum

Eine Ausstellung von Jan-Peter E.R. Sonntag

Eröffnung: Donnerstag 28. Januar 2016 um 19 Uhr

Für die Ausstellung in der Galerie Wedding wird der Künstler, Komponist und Theoretiker Jan-Peter E.R. Sonntag die L-förmige Architektur des Hauptraumes der Galerie »verrauschen«.
Mit zwei für diesen Raum speziell entwickelten 2,30m hohen Hornsystemen vor beiden Stirnwänden wird der kommunale Kunstraum in eine scheinbar unendliche Bewegung versetzt.

Jan-Peter E.R. Sonntag arbeitet seit langem mit der Form der akustischen Darstellung und Intervention. So produzierte er erstmals 1993 für seine Installation im Treppenhaus des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur in Hannover ein endlos steigendes wie auch fallendes Rauschen. Während wir heute Rauschen eher mit Technik in Verbindung bringen, bezieht sich Jan-Peter E.R. Sonntag auch auf die Romantik, in der allein das Rauschen der Bäume, des Meeres zu hören war. Es rauschte und berauschte und nicht von ungefähr haben »Rauschen« und »Rausch« in der deutschen Sprache den gleichen Ursprung.

Jan-Peter E.R. Sonntag ist Mitherausgeber der gesammelten Schriften Friedrich Kittlers und war 2015  mit der Kammeroper Sinus im Tieranatomischen Theater in Berlin präsent. Er forscht über psychoakustische Räume, die allgemeingültig und universell sind. Mit seinem Team entwickelt er immer wieder neue Technologien um diese im Wechselspiel mit gebauten Architekturen erfahrbar zu machen.

Nymphae_M Rauscheck ist Teil des kuratorischen Programms POW (Post-Otherness-Wedding) der KuratorInnen Solvej Helweg Ovesen und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung.
»Stellen Sie sich die Erzählungen über die Sirenen vor. Diese mythischen Göttinnen und Jungfrauen, die der griechischen Mythologie zufolge Seeleute mit ihrem überwältigenden Klang und ihrer Schönheit in den Abgrund locken und beobachten, wie die Schiffe auf den Inseln der Sirenen irgendwo im Mittelmeer zerschmettern. Stellen Sie sich vor, dass ihr Mythos, ihre Schönheit und Klugheit seit Menschengedenken die Fantasien und Sinne von vielen Generationen von Künstlerinnen und Künstlern, Dichterinnen und Dichtern und allen möglichen Denkerinnen und Denkern inspiriert. Man sagt, dass die Erzählungen über Sirenen bis 750 v.Chr. zurückgehen, mit Homers »Odyssee«(…)
Dann stellen Sie sich den in Berlin lebenden Künstler, Medientheoretiker und Komponisten Jan-Peter E. R. Sonntag vor, der sich in diese Genealogie von Denkern und Künstlern einreiht, um über den Mythos und das Wesen dieser Kreaturen zu reflektieren, über die Lolita-Fantasien dieser Männer, gut verpackt in die Pracht von Kunst und Philosophie.
Aber Sonntag wäre nicht Sonntag, wenn seine Reflexionen nicht alle bisher genannten Phänomene unterlaufen würden und er dem kulturellen Erbe nicht eine überraschende Wendung geben würde.(…)
Aber stellen Sie sich vor, dass Sonntag diesen Prozess der Kontinuität auf zweierlei Weisen verdreht: einmal, indem er die Nymphe oder die Mänade – oder lass es die Sirene sein – von ihrem Körper abstrahiert und vielleicht befreit. Wenigstens von dem Körper, den sie seit der Antike bis heute tragen musste. Stellen Sie sich einen Raum mit zwei Boxen-ähnlichen minimalen Strukturen vor, von denen Klänge ausgehen oder, wie Sonntag es nennt: Rauschen. Stellen Sie sich ein Wesen in diesem Raum in Form eines Wandbildes vor, das auf Yves Klein Bezug nimmt und gleichzeitig jede Konnotation zur Anthropometrie negiert. Dann stellen Sie sich vor, dass es sich um drei Nymphen handelt und dass das »Rauschen«, dieser bezaubernde Klang, interpretiert im Zeitalter der Sound-Programmierung, die Besucher in eine Art Kultur-Welt-Wrack lockt, wo die Besucher einer nicht-voluminösen, nicht-sexy und nicht-saftigen Form begegnen, ganz im Gegensatz zu den Nymphen, Sirenen oder Mänaden, während die Mänade ihrem Namen alle Ehre macht, indem sie durch das »Rauschen« rast.«
(aus dem kuratorischenStatement von Bonaventure Soh Bejeng Ndikung)

Die Galerie Wedding ist Kooperationspartner der Transmediale Berlin und die AusstellungNymphae_M Rauscheck Teil des Programms »Vorspiel 2016«.
www.transmediale.de | http://galeriewedding.de/nymphae_m-rauscheck/

Biografie/ Biography: Jan-Peter E.R. Sonntag

Künstlerwebseite / Website of the artist: http://www.sonarc-ion.de/

Galerie Wedding
Müllerstr. 146/147
13353 Berlin

29.01. – 19.03.2016

Kuratoren im Rahmen von POW: Solvej Helweg Ovesen und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung

http://galeriewedding.de/  | [Stadtplanlink ]

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