J wie Jenseits der Blockbuster – Kunstkino in Zeiten der kulturellen Krise @ SPRECHSAAL

DasABC

 

J wie Jenseits der Blockbuster – Kunstkino in Zeiten der kulturellen Krise

Anna Sofie Hartmann (dffb) | Irene von Alberti (Filmgalerie 451) | Sabine Herpich | Christian Suhren (beide Fsk Kino) und Toby Ashraf

Freitag 29. Januar 2016, 19 Uhr

Der Sprechsaal lädt ein zum ABC der Krise und widmet sich beim Buchstaben J dem Teil der Filmindustrie, der es schon immer am schwersten hatte – dem Arthaus-Kino. Filmkritiker Toby Ashraf hat KollegInnen und FreundInnen aus der Branche eingeladen um über den Status Quo zu reden. Krise hin oder her – diese vier KämpferInnen trotzen den Umständen und haben keine Lust auf Pessimismus.

Solche Filme könne man nur machen, wenn man sich selbst und andere ausbeutet, sagt Anna Sofie Hartmann, Regisseurin des Films „Limbo“. Ihr in San Sebastián uraufgeführter und für den European Discovery Award nominierter Debütfilm wurde vom Peripher Filmverleih verliehen und in 11 deutschen Kinos gezeigt. Publikumszahlen? Im eindeutig dreistelligen Bereich. Für Hartmann aber kein Grund ihre Richtung zu ändern – für den nächsten Film hofft sie auf Förderung und ein Ende der (Selbst-)Ausbeutung.

„Wir kommen irgendwie über die Runden“, sagt Christian Suhren, Gründungsmitglied des Berliner Fsk-Kinos und des Peripher Filmverleihs, der „Limbo“ zeigte, „Popcorn, was ja die Gelddruckmaschine der anderen ist, verkaufen wir gar nicht“. Das Fsk, eines der konsequentesten und kompromisslosesten Kunstkinos der Stadt, richtet sich nicht nach den vermeintlichen Interessen eines breiteren Publikums, sondern nach dem Geschmack der BetreiberInnen. Mit der Konsequenz, dass die Säle und damit die Kassen auch mal leerer bleiben. Trotzdem bleibt das Fsk sich programmatisch treu und beweist damit, dass Felsen in der Brandung jeder Flut und Ebbe trotzen.

Zuwachs hat das Kollektiv kürzlich von der jungen Filmemacherin Sabine Herpich bekommen. Sie gab den Versuch als freischaffende Cutterin überleben zu können nach zwei Jahren auf. Ihre Beschäftigung am Schneidetisch hat sie gegen Verleiharbeit, Pressearbeit und das Alltagsgeschäft im Kinobetrieb getauscht. Herpich ist von der Einzelkämpferin zur Gruppenkämperin geworden und fühlt sich im Kollektiv gut aufgehoben.

Irene von Alberti, selbst Filmemacherin und Produzentin, kann von den schwierigen Bedingungen auf dem Markt ambitionierter Arthaus-Filme ebenfalls ein Lied singen. Ob es Förderbedingungen für eigene oder andere Filmprojekte sind -leicht ist es nirgendwo. Doch negatives Denken liegt von Alberti gar nicht. Sie sagt: „Die Krise ist DIE Chance für neue gute Filme!“

In diesem Sinne wollen wir die Zustände nicht gemeinsam beweinen, sondern nach ihren Ursachen suchen und gucken, ob sich ein optimistischer Blick in die Zukunft lohnt und wenn ja unter welchen Umständen. Krise kommt vom altgriechischen krísis und hieß ursprünglich ‚Meinung‘, ‚Beurteilung‘, ‚Entscheidung‘ – darum soll es gehen. Was denken wir über die Zustände? Wie beurteilen wir sie und welche Entscheidungen müssen getroffen werden, damit das Kunstkino, die Kinokunst, weiterhin integraler Bestandteil des Kulturbetriebs bleibt? Ein offenes Gespräch.

SPRECHSAAL
Marienstr. 26
10117 Berlin

15. 01. – 11. 03. 2016 | Mi. – Sa. | 14 – 22 Uhr

http://www.sprechsaal.de/https://krisenalphabet.wordpress.com/

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