R wie ROBESPIERRE AND THE EVE_OF_REVENGE // 5.3.// GULAG HD @ SPRECHSAAL

RwieRobespierre

R – ROBESPIERRE AND THE EVE_OF_REVENGE

Samstag 5. März 2016, 20:30 Uhr

I. „I am feeling so free“ (Francis Bacon)

Seit den 70er Jahren fand global eine Welle von Enteignungen statt, deren Ergebnis wir heute als Neoliberalismus bezeichnen. Dadurch verschärfte sich das Konkurrenzverhältnis auf allen sozialen Ebenen.
Wie Mao TseTung schon früh diagnostizierte: „哪裡有少,每個人都將是我的敵人“ („Where there is less, everybody will be my enemy“). Der oberste Vorsitzende erkannte, daß diese Situation einen dominierenden Affekt hervorbringen würde: Hass.

II. Robespierres Weinschlauch

Robespierre hielt diesen Hass für eine der wesentlichen Ressourcen der Revolution. Hass ist der Schlüssel zur göttlichen Gerechtigkeit. Was den Armen angetan wurde, lässt sich durch keine Wiederaneignung des Reichtums begleichen. Ruhe finden sie allein im Augenblick der Rache. Rache erlöst von Unrecht, das in der Vergangenheit erlitten wurde. Rache redigiert die Vergangenheit.
Folgen wir Lao-Tse und Heiner Müller, dann ist es also ebendieser Augenblick der Rache, in dem zwischen Lebenden und Toten eine Äquivalenz hergestellt wird. Die Toten verlassen ihre Gräber um den Rächern zu Hilfe zu kommen. Töten, das verlebendigt; Pfand einer unmöglichen Solidarität. So erzählt es auch der Mythos der Bacchantinnen, der als Gründungsgeschichte des Europäischen, sowohl in den Revolutionstagebüchern Robespierres wie auch in den psychiatrischen Aphorismen Louis Althussers einen basso continuo bildet.

III. Ophelias Bruxismus

Im Unterschied dazu ist der neoliberale Hass orientierungslos und feige. Statt der Macht die Stirn zu bieten richtet er sich gegen den eigenen Körper beim Flexen, bei Peelings und sich nächtlich zerreibenden Zähnen, gegen den fremden beim schadenfreudigen Genuss von fail compilations oder der Jagd auf Schnäppchen und Migranten. Es scheint, als sehnten sich nicht allein die Toten, sondern auch die Lebenden nach Verlebendigung.
Vielleicht bedarf der neoliberale Hass nur einer minimalen Korrektur, nur eines kleinen Eingriffs, um sich ganz dem Objekt der Unterdrückung zuzuwenden und dort eine Art minimale Korrektur, einen kleinen Eingriff vorzunehmen: Rache am Phallus.
Ist unser Hass ohne Gnade, dann wird die kommende Rache die letzte sein: „Wenn sie mit Fleischermessern durch eure Schlafzimmer geht, werdet ihr die Wahrheit wissen.“

IV. „Na Kar Bheja Fry, Just Give It A Try“

Die postmaoistische Videogruppe GULAG HD versucht in einer Auftragsarbeit für den Sprechsaal das Konzept der Rache anhand wenig beachteter Schriften Robespierres und Althussers für einen emanzipatorischen Diskurs fruchtbar zu machen. Videoscreening, anschließend Lecture und Künstlergespräch. GULAG HIGHVOLTAGE DEFIBRILLATOR.

„Es wäre schön, wenn ihr ein paar Salate, Snacks oder Dips vorbereiten könntet. Bitte denkt diesmal auch an diejenigen Diskursteilnehmer_innen, die aus verständlichen Gründen kein Schweinefleisch oder auch sonst keine Tierprodukte zu sich nehmen“ (Sprechsaal)

DIE MENSCHHEIT BRAUCHT EINEN GROßEN ADERLASS

SPRECHSAAL
Marienstr. 26
10117 Berlin

15. 01. – 11. 03. 2016 | Mi. – Sa. | 14 – 22 Uhr

http://www.sprechsaal.de/https://krisenalphabet.wordpress.com/

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