Kunst und Krieg III – Teil 2: Krieg im Frieden @ Denkerei

BazonBrock2006

Veranstaltung: Symposium: Kunst und Krieg III – Teil 2: Krieg im Frieden

Mittwoch 9. März 2016, 18:30 Uhr

Zweitägiges Symposium am 8. & 9. März 2016 in der Denkerei Berlin

Am zweiten Tag des Symposiums, der unter dem Titel „Krieg im Frieden“ steht, sprechen Babette Babich, Marlene Baum, Bazon Brock, Matthias Winzen über „Krieg und Wissenschaft“, „Tiere im Krieg“ und „Kriegsspielzeug“.

Bazon Brock: Einführung

Marlene Baum: Krieg den Tieren

„Krieg den Tieren“ meint provokativ den Krieg gegen uns selbst, gegen die Akzeptanz der eigenen Teilhabe an der Natur und die damit verbundene Notwendigkeit des Umdenkens. In künstlerischen Tierdarstellungen werden Projektionen und Verdrängungen als Vermeidungsstrategien gegen diese Herausforderung visualisiert.

Matthias Winzen: Krieg spielen. Der stumme Logos von Spielzeug im 19. Jahrhundert

Kaiser Wilhelm II. ist von Strukturhistorikern als „Schattenkaiser“ bezeichnet worden, mentalitätsgeschichtlich müsste er der „Spielzeugkaiser“ genannt werden. – Spielzeug war im Biedermeier erstmals durchgreifend pädagogisiert worden, wurde bald als Ware industrialisiert und in der Gründerzeit als Maschinenmodell technisiert und militarisiert. Damit kommt eine tief im damaligen Alltag, in der Sozialisation der Vielen wirksame Prägung in den Blick, eine außersprachliche, das instrumentelle Bewältigen schulende Dingebene. Im Vortrag wird nach den kindlichen Vorprägungen für das innige Zusammenspiel von positivistischem, letztlich naivem Technikvertrauen, unreifem Schwanken zwischen zukunftsstolzer Größenfantasie und altertümelnder Gegenwartsflucht, dem Verkleidungsspiel als in sich kreisendem Selbstzweck gefragt. Ein solches Zusammenspiel kennzeichnete nicht nur das Verhalten des letzten deutschen Kaisers, sondern auch das vieler Männer damals in Preußen und Deutschland: Ingenieure, Industrielle, Architekten, Juristen, Militärs.

Babette Babich: Nietzsches Sklavenmoral. Krieg, Umwertung/Revolution und Hallelujah

Mehr als ein Jahrhundert nach seinem Tod meinen Darstellungen über Nietzsche noch immer seine Nachwirkungen in der Politik, Geisteshaltung oder Ästhetik der Nazionalsozialisten hervorheben zu müssen, trotz seiner Sanitisierungsversuch durch Walter Kaufmann usw., sehen wir einmal von der obsessiven Neigung anderer Forscher ab, Nietzsche dadurch entnazifizieren wollen, dass sie die ganze Schuld seiner Schwester zuschreiben. Abgesehen davon, dass er Kriegslust, Unbarmherzigkeit und vor allem Grausamkeit verfechte, sprechen seine Kritiker Nietzsche des Antisemitismus und Antichristianismus schuldig wie auch des Rassismus und Frauenhasses, die sein Werk nicht nur stützen, sondern mit lauter raffinierten Beobachtungen durchziehen sollen. Nasty Nietzsche [der fiese Nietzsche] sagen seine Gegner (oder würden es zumindest sagen, wenn es tatsächlich ernstzunehmende Gegner Nietzsches gäbe). Nietzsche-Neulinge wie Nietzsche-Experten dagegen verehren ihn, als würde er ihnen eine Stimme für ihre wildesten und bösesten Gedanken verleihen: der Philosoph, der mit dem Hammer philosophiert, ein kämpferischer Denker. Nietzsche war jedoch Philologe und Gelehrter des Wortes, und als ein solcher fordert er unsere Vorurteile mitsamt unserer Vorliebe für den Krieg heraus.

Zu den Vortragenden:

Babette Babich, Professorin für Philosophie und Executive Editor der New Nietzsche Studies an der Fordham University New York; 2015/16 Fulbright Fellowship an der Humbolt Universität Berlin

Marlene Baum, Kunsthistorikerin, Wuppertal

Matthias Winzen, Professor für Kunstgeschichte an der HBKsaar, Saarbrücken, und Direktor des Museums Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts, Baden-Baden

Denkerei
Oranienplatz 2
10999 Berlin

http://www.denkerei-berlin.de/

 

http://www.denkerei-berlin.de/kalender/?id=1195

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