PUBLIC SPEAKING (Curatorial Practices) @ District

PublicSpeaking

PUBLIC SPEAKING

Curatorial Practices: Fields and Techniques, Act VI
Eröffnung:21. April, 19 Uhr

Die Priesterin*/ Der Priester spricht von einer Kanzel
Die Präsidentin*/ Der Präsident der Nation spricht von einem Pult
Die Professorin*/ Der Professor spricht von einem Podium
Die Spezialistin*/ Der Spezialist spricht von einem Podest
Die Mitglieder der Jury beraten sich in einem Plenum

Solcherart Requisiten stehen für eine makellose Choreographie einer Geltung, für zentrale Dispositive zur Instituierung einer Autorität. Als Wahrzeichen einer innerräumlich gestalteten Szenografie der Macht lassen sich diese Objekte definieren. Im alltäglichen Leben tragen sie zur Legitimation autoritärer Regimes bei. Sobald Autorität legitimiert werden muss, braucht es ein komplexes Netz von Apparaturen, innerhalb dessen diese Legitimation täglich umgesetzt wird. Autorität als soziale Beziehung muss kontinuierlich erneuert werden. Im Alltag wird diese Legitimation autoritärer Regimes wie etwa religiöser Institutionen, Regierungen und Polizeistrukturen als Naturalisierung übersetzt. Je mehr dieser Prozess als natürlich angesehen wird, desto effektiver wird die Autorität.

Im Unterschied zu diesen autoritären Choreografien ist die künstlerische Praxis kein privilegierter Ort für die Aktualisierung der Macht. Sogar, wenn Arbeiten mit einem politischen Charakter ausgestellt werden, wird ihr Veränderungspotential dadurch neutralisiert, dass sie sich in Museen und Galerien befinden. Denn gibt es schließlich einen stärkeren Machtbeweis als die Toleranz von Dissens? Jedoch wird Politik nicht nur an solchen Orten der Autorität gemacht, nicht nur auf der Straße, sondern auch im Alltagsleben, am Familientisch, im öffentlichen Nahverkehr, an Freizeitorten. Also fragen wir uns: Wie können wir uns diese Machtinstrumente aneignen, um für unseren Alltag vonnutzen zu sein?

PUBLIC SPEAKING arbeitet mit den akkumulierten Spannungen zwischen künstlerischen Autonomie-Ideen und ihrem sozialen Veränderungspotential.

Auf unsere Erfahrungen zurückgreifend als Präsidentschaftskandidat*innen Rumäniens, als gymnasiale Rhetorikmeister*innen, Talentshow-Stars, Immobilienspekulant*innen, Punk Cholos und Pop-Philosoph*innen, schreiten wir fort, eine neues Set an Werkzeugen für die Appropriation und Subversion politischer Ausdrucksformen zu entwickeln.

Videoausstellung mit Larisa Crunțeanu & Sonja Hornung, Xandra Popescu & Adrian Knuppertz, The Presidential Candidate und Veda Popovici

Eröffnung: 21. April, 19 Uhr
Öffnungszeiten: 22. April – 27. Mai, Dienstag bis Samstag 14 – 18 Uhr

Lecture-Performance Artist Development von Richard Pettifer
19. Mai, 19 Uhr

Public Speaking Workshop konzipiert von Xandra Popescu mit den Expert*innen Larisa Crunțeanu, Ion Dumitrescu, Cosima Opârtan und Richard Pettifer
14. & 15. Mai, 11 – 18 Uhr
Registrierungen werden bis 11. Mai unter post@district-berlin.com angenommen

Finissage und Talk 
27. Mai, ab 18 Uhr
und Konzert von Raze de Soare
27. Mai, 20.30 Uhr

PUBLIC SPEAKING wird realisiert als Akt VI der District Reihe Curatorial Practices. Fields and Techniques mit Unterstützung des Rumänischen Kulturinstituts in Berlin und des Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.).

District
Bessemerstraße 2-14
12103 Berlin–Tempelhof

22. 04. – 27. 05. 2016

http://www.district-berlin.com/ 

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