Brandon Ballengée | Katya Gardea Browne | Pinar Yoldas @ Alfred Ehrhardt Stiftung

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Pinar Yoldas, Regnum alba, 2014, Druck auf Hadernpapier, 85 x 115 cm, © Pinar Yoldas

NatureCultures

Brandon Ballengée | Katya Gardea Browne | Pinar Yoldas

Kuratiert von Regine Rapp & Christian de Lutz

Eröffnung: Freitag 1. Juli 2016,  19 Uhr

Eröffnungsrede: Regine Rapp und Christian de Lutz
In Anwesenheit von Pinar Yoldas und Katya Gardea Browne

Die Ausstellung NatureCultures untersucht die verflochtene Struktur menschlicher und nichtmenschlicher Akteure im 21. Jahrhundert. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf den gleichnamigen Begriff der amerikanischen Wissenschaftlerin Donna Haraway, die für eine Überwindung der unproduktiven Dichotomie von Kultur und Natur appelliert. Die Auswirkungen menschlicher Technologie dringen in alle Bereiche der Umwelt ein und verändern das Gleichgewicht und damit auch den Aufbau dessen, was wir einmal „Natur“ nannten. Angesichts der großen ökologischen Katastrophen überrascht wiederum die Widerstandsfähigkeit unzähliger Lebensformen auf unserem Planeten. Das Ausstellungsprojekt stellt drei Künstler vor, die den Bereich zwischen Naturwissenschaft und künstlerischer Forschung sowie die Schnittstellen von Kultur und Natur erkunden.

Als Künstler und Biologe beschäftigt sich Brandon Ballengée gleichermaßen mit den Bereichen Natur, Naturwissenschaft und Ökologie. Seine professionelle Auseinandersetzung mit dem Niedergang und gradueller Auslöschung vieler Amphibien verbindet Feldforschung, Bürgerwissen und die Fähigkeit, wissenschaftliche Methoden mit ästhetischer Produktion zu verbinden. Für die Untersuchung von Fröschen, Salamandern und seit kurzem auch großen Wassertieren verwendet er den historischen chemischen Prozess ‚Säubern & Färben?, bei dem Knochen und Knorpel in leuchtenden Farben und Muskeln transparent erscheinen. Dies nutzt er auf künstlerischer Ebene, um großformatige Portraits deformierter Tiere zu schaffen und in wissenschaftlicher Hinsicht, um die Ursachen der Deformationen zu verstehen. Seine jüngste Forschung über die weiteren Auswirkungen der Ölpest von 2010 auf die Biodiversität des Golfs von Mexiko hat ebenfalls zu einer Reihe neuer künstlerischer Arbeiten geführt – so zum Beispiel die Serie Ghosts of the Gulf – was eine bemerkenswerte Verbindung von naturwissenschaftlicher Forschung und künstlerischer Praxis darstellt.

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Brandon Ballengée, Ghosts of the Gulf: RIP African Pompano, 2014, Giclée-Druck auf handgeschöpftem japanischen Reispapier, 45,7 x 61 cm, © Brandon Ballengée / Courtesy Ronald Feldman Fine Arts, New York, NY

Lokale, ortsspezifische Themen aus Zentralamerika, insbesondere Mexiko, stellen die Grundlage für Katya Gardea Brownes hochästhetische Arbeiten in Fotografie und Video dar. Um die bekannte Dichotomie Natur und Kultur zu überwinden, konzentriert sie sich auf präkoloniale (agri)kulturelle Praktiken, welche Haraways Begriff „Naturecultures“ in weite Vergangenheit rücken lässt. Angesichts der gegenwärtigen ökologischen Krise wiederum empfiehlt Gardea Brownes Arbeit, aktuelle Probleme durch die Wertschätzung und Wiederbelebung alter mesoamerikanischer agrikultureller Technologien zu lösen. Ihre Werkserie Xochimilco in Fotografien und Videoarbeiten zeigt nicht nur eine interessante Form künstlerischer Forschung über jene Wasserstraßen der mexikanischen Hauptstadt auf. Die gleichnamigen Arbeiten vermitteln auch jenen unverkennbaren kinematografischen Blick der Künstlerin.

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Katya Gardea Browne, Xochimilco, Diptychon, 2014, 120 x 160 cm, © Katya Gardea Browne

In ihrer künstlerischen Praxis erkundet Pinar Yoldas die Verbindung zwischen Technologie und Natur. Die interdisziplinär arbeitende Künstlerin und Wissenschaftlerin ist spezialisiert in Kunst, Architektur, Interface-Design, Informatik und Neurowissenschaften. Ihre künstlerischen Arbeiten übersetzen Yoldas’ Forschungsprozess über biologische Systeme und ökologische Katastrophen. Sie begreift unsere Gegenwart als ein posthumanes Ökosystem und entwickelt dafür in ihrer künstlerischen Praxis spekulative Organismen. Ihrer aktuellen Arbeit Regnum Alba liegt ein interessantes Thema zugrunde: die Vorliebe vieler Laborforscher für künstlich gezüchtete Albino-Organismen. Diese Form „kultivierter“ Organismen – zugunsten einer symbolischen Form der Reinheit – deckt eine pervers anmutende ideologische Seite der naturwissenschaftlichen Forschung auf. Bei ihren Recherchen zur technologisierten Natur bewegt sie sich nicht selten im Bereich des spekulativen Designs, so zum Beispiel bei ihrer Serie der Designer Babies, diese beschreibt die Künstlerin als einen „schnellen Blick in die Zukunft des Transhumanismus“. (Regine Rapp & Christian de Lutz)

Alfred Ehrhardt Stiftung
Auguststr. 75
10117 Berlin

02. 07. – 04. 09. 2016

http://www.alfred-ehrhardt-stiftung.de/


Rezension in: art in berlin (July 07, 2016)  http://www.art-in-berlin.de/
Rezension in: Berlin Art Link (July 15, 2016) http://www.berlinartlink.com/


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