Yasujiro Ozu: Die Reise nach Tokio @ Kino Arsenal

TokyoMonogatari
(Filmstill)

Die Reise nach Tokio

Yasujiro Ozu, Japan 1953. Digital Cinema Package, OmU 136 min

Sonntag 14. August 2016, 20 Uhr (Wdh. Sa. 20. 08.)

(Die Reise nach Tokio) „Isn’t life disappointing?“ In Ozus melancholischem Abgesang auf den Mythos der japanischen Familie findet Setsuko Hara die adäquate Form, die einzig mögliche Antwort auf diese Frage. Vollkommen ruhig, ohne Verbitterung oder Verlegenheit, mit einem übersprungsfreien Lächeln, sagt sie: „Yes, it is.“ Die beiden Dialogzeilen in Kombination mit Haras Spiel nähern sich dem Kern von Ozus/Haras berühmtester Zusammenarbeit, in der Hara die verwitwete Schwiegertochter eines älteren Ehepaars spielt, das während eines Besuchs bei den Kindern und Enkeln in Tokio feststellt, dass sich die Familie auseinandergelebt hat. Von den eigenen Kindern abgeschoben, finden die Eltern Wärme und Zugewandtheit einzig bei Noriko, die nach dem Tod ihres Mannes zurückgezogen ein bescheidenes Dasein führt. Ein großartiges Meisterwerk des japanischen Kinos, von Setsuko Hara mit äußerstem Feingefühl und auf das Wesentliche komprimiert getragen. (Text: Kino Arsenal)

Das Kino Arsenal zeigt im August in der Reihe „Modulationen des Lächelns – Hommage auf Setsuko Hara“ japanische Filme der dreißiger bis sechziger Jahre der Regisseure Mikio Naruse, Keisuke Kinoshita, Akira Kurosawa, Kozaburo Yoshimura und Sejiru Ozu. Während Arsenal die Schauspielerin Setsuko Hara in den Fokus stellt (Info hier… ), beschränkt sich dieser Blog auf Haras Zusammenarbeit mit dem Regisseur Ozu, ein im Westen von zahlreichen Filmemachern geschätzter Regisseur. Hier seien nur einige seiner typischen Stilmerkmale erwähnt: die Kameraeinstellung, die der Perspektive eines in traditioneller japanischer Haltung sitzenden Meschen entspricht („tatami shot“), die statische Kameraführung, die Vermeidung traditionellen filmische Erzählens (durch lange Einstellungen, übergangslose Schnittwechsel, Aussparungen etc.). Der Betrachter fühlt sich unmittelbar in die Unterhaltung einbezogen und kann gleichzeitig die Perpektiven traditioneller japanischer Wohnhäuser entdecken.

Arsenal – Kino 1
Potsdamer Straße 2
10785 Berlin

http://www.arsenal-berlin.de/

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