Konzert: Klaus & Johann G. v.Wrochem @ Schwarzsche Villa

klausjohann

Konzert

Beethoven | Bartok | Brahms | Saint-Saens | Piazolla

Sonntag 15. Januar 2017, 20 Uhr

Dieser Post zum Anfang des Jahres lässt mich aus meinen Erinnerungen sprechen. 1980 in Köln, Student der Germanistik und Linguistik, die Professoren noch mit vollen Hörsälen über hermeneutische Verfahren und gleichzeitig luden junge Dozenten (ja, keine Frauen) in Seminare zu Debatten ein mit neuem Theorie-Gepäck: Maurice Merleau-Ponty und dann wie bei einem Feuerwerk gleichzeitig in allen relevanten Fächern Poststrukturalisten und der „linguistic turn“. Dei Branchéierten – wie man auf luxemburgisch sagt, wussten, wo man hingeht und sich sehen ließ…

Mich zog es zu der Zeit in die Kölner Südstadt, ins Vringsveedel, wo ein riesiges Areal, die Stollwerk-Fabrik (über mehr als sieben Fussballfelder groß) leerstand und nun besetzt werden sollte. Eine „Musterwohnung“ sollte zeigen, wie eine preiswerte Sanierung von Altbau möglich sein kann. Leider wurde dieses Sanierungsmodell von der Stadtverwaltung abgelehnt, daher die Besetzung als Protest. Es kamen schon in der ersten Nacht so viele, daß sich die Besetzung über alle Gebäudeteile ausdehnte. Ich schlief in einem selbst gebautem Bett aus herumliegenden Baubrettern und mit hunderten anderen in einer der riesigen Etagen. Da das Gelände ummauert war, musste im Wesentlichen der Eingang bewacht werden, das übernahmen die Punks. Die wärmten sich dort an einem Lagerfeuer und ich hörte dort in den Nächten das erste Mal deren Musik. Diese Ummauerung bedeutete nicht nur einen Schutz nach außen, sondern entwickelte eine Dynamik nach innen: nach dem tödlichen Sturz eines Kinds und einer Vergewaltigung einer Frau bildete sich eine interne „Bewachungsgruppe“, die, nachdem sie ein Starkstromkabel zu Schlagstöcken zerschnitten hatte, für Sicherheit sorgen wollte. Zu der Zeit arbeitete ich in der „Besetzerküche“, die in die nun stromlosen Kühlräume eines italienischen Untermieters (der mehrere Restaurants betrieb) einbrach und wir waren über Wochen versorgt. Damit wurde manifest, was von den politischen Initiatoren längst befürchtet worden war: die Bewohner des Geländes kontrollierten sich selbst und machten ihre eigenen Gesetze. Wollte ich unter diesen Umständen bleiben? Meine Neugier siegte, ich blieb. Die damals die Besetzung begleitende DKP,  gründetete sogar eine kurzlebige Konkurrenzzeitschrift zur taz, welche damals noch in nächtelangen Redaktionskonferenzen ihre Zeitung mitunter mit großen weißen Flecken herausgab, wenn sich nicht geeinigt werden konnte. Die DKPisten glaubten, mit ihrer „Parteidisziplin“ für Ordnung im Stollwerk und den linken Gruppierungen werben zu können, aber ihre Zeit war eindeutig vorbei.  (Grüne gab es damals noch nicht, bildeteten sich erst kurz drauf u. a. aus Teilen von linken Splittergruppen) Die Mischung aus miteinander konkurrierenden linken Strömungen – die eine „politische Linie“ durchsetzen wollte, zogen sich aus dem Gebäude zurück, um mit der Stadtverwaltung eine friedliche Räumung auszuhandeln. Sie gaben ihren basisdemokratischen Anspruch auf und handelten als „Verhandlungsgruppe“ geheim. Sie hatten eh keinen Kontakt zu den jetzigen Bewohnern, Obdachlosen, Kleinkriminellen, Abenteurern und Verrückten. Mit diesem Lumpenproletariat (Bakunin) wollten die nichts zu tun haben.
Hier lebte ich nun und wollte trotz allen Drecks und aller Widersprüche nicht in die Seminare zurück. Hier war mein Beobachtungsfeld. In den Nächten wärmten wir uns mit Solidarität und Liedern, wie diesem von Klaus dem Geiger:
Nein, nein, wir woll’n nicht eure Welt | Wir woll’n nicht eure Macht
Und wir woll’n nicht euer Geld | Wir woll’n nichts von eurem ganzen Schwindel hören
Wir wollen euren Schwindel zerstören
„Mutiges Programm!“, würde ich heute sagen, aber wir standen noch in Saft und Kraft der jungen Jahre. Stichworte für den Populismus heutiger Tage?  Klaus von Wrochem, ein wunderbarer Mensch, Musiker und sprichwörtlicher „Altachtundsechziger“ inspirierte mich damals mit seinen Erinnerungen an den Strand von Kalifornien, wo er in den neunzehnhundertsechzigern lebte, den scheinbar gespürten Anti-Materie-Einschlägen 🙂 dort, den klugen Kommentaren zur Musik von LaMonte Young, Cage etc.
Jetzt lädt er selber ein zum eigenen Konzert:

Liebe Berliner Freunde!
Ich möchte Sie gern einladen zu einem besonderen Konzert:  mit Beethoven, Bartok, Brahms, Saint-Saens und Piazolla! Der Kollege am Klavier ist mein Bruder Johann G. v.Wrochem. (Als Zugabe (bzw. Einschiebsel) dann doch schon eins od. mehrere meiner aufmüpfigen Lieder, is klar!) Voranmeldung über: 030 8116679

Mit lieben Grüßen aus Köln:
Klaus der Geiger

Schwarzsche Villa
Grunewaldstr. 3
Berlin – Steglitz

http://www.kultur-steglitz-zehlendorf.de/schwartzsche_villa.html | https://www.klausdergeiger.de/

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