Oliver Möst @ super bien!

TablotiaElegans

Talbotia Elegans – eine fotografische Installation by Oliver Möst

Eröffnung: Freitag 17. März 2017, 19 Uhr

Artist talk: Sonntag 2. April 2017, 16 Uhr
„Über das Verschwinden“

„Als ich im März 2016 anfing mit dem Herbarium zu arbeiten, das von Götz Träber Mitte der 1950er Jahre angelegt wurde, habe ich nicht über eine mögliche Ausstellung nachgedacht – für mich war es eine logische Fortsetzung meiner Arbeit fade out von 2012. Diese Kombination von Gewächshaus und Herbarium – von dem Entstehen und dem Verschwinden der Pflanzenbilder durch das Sonnenlicht – das ist eine wunderbare Verknüpfung.“ Oliver Möst

Im Gewächshaus, gewöhnlich ein Ort um Pflanzen zu kultivieren, zeigt der Fotograf Oliver Möst Lichtzeichnungen aus der Serie „Talbotia Elegans“. Zu sehen sind Bilder von gepressten Pflanzen aus einem Herbarium, durch die Belichtung mit Sonnenlicht ist eine Art „Photogene Zeichnung“ entstanden. Dabei werden die Abbildungen nicht fixiert und das Sonnenlicht lässt diese Bilder während der Ausstellungslaufzeit wieder verschwinden, denn das Papier wird stetig dunkler. So verschwinden die zarten „Photogramme“ des Herbariums durch den gleichen Prozess durch den sie entstanden sind – das Belichten mit Sonnenlicht. Die Lichtzeichnungen von Talbotia Elegans spielen dabei in vielfältiger Weise mit den Erwartungen des Betrachters. Möst wird immer wieder neue Lichtzeichnungen hinzufügen, so dass eine sinnliche räumliche Komposition entsteht, in der Entstehen und Vergehen direkt nebeneinander zu beobachten sind.

Genau dieser Prozess des wieder Verschwindens – zumeist ein blinder Fleck in der allgemeinen phänomenologischen Betrachtung der Photographie – interessiert Möst in seiner hier gezeigten Arbeit. Er richtet unseren Blick auf die tiefer liegende Ebene von der Vergänglichkeit künstlerischer Arbeiten. Dabei dient das Gewächshaus als Wahrnehmungsmembran – der Pflanzenbilder, deren Verschwinden und unsere Gewohnheiten und Erwartungen beim Betrachten von Bildern.

So fügt sich die Arbeit „Talbotia Elegans“ mit ihren Fragen nach Werten und Wahrnehmungsprozessen in die Themenwelt von Oliver Möst und seinem spielerischen Umgang mit unseren Sehgewohnheiten ein. Die Möglichkeiten der Zuordnung von Erlebtem in verschiedene zeitliche Dimensionen ist dabei ein starkes Motiv seines künstlerischen Handelns, ebenso der Wechsel vom Abbild konkreter, erkennbarer Welt in einen Prozess der Veränderung, dem gleichzeitigen Verlust und Gewinn von persönlicher Referenz. (Der Titel „Talbotia Elegans“ bezieht sich auf den Namen einer Pflanze, die nach dem Erfinder der Photogenen Zeichnung (1839) William Henry Fox Talbot benannt wurde.)  https://www.olivermoest.com/

Related to Nature | 17.03. – 07.12.2017 eine fünfteilige Ausstellungsserie bei super bien!

„Talbotia Elegans“ von Oliver Möst ist die erste Installation einer fünfteiligen Serie, die unter dem Titel „Related to Nature“ bei super bien! gewächshaus für zeitgenössische kunst 2017 zu sehen ist. Fünf verschiedene Künstler verhandeln in ihren Beiträgen Prozesse des Wachsens und Vergehens, klimatische Bedingungen, das Funktionieren von komplexen (ökologischen) Systemen, Pflanzen und ihre Einzigartigkeit in Farbe und Form, biologische Grundlagen des Lebens, das soziale und ökologische Gefüge im städtebaulichem Kontext, Wahrnehmung als partizipativen Prozess. Die gezeigte Kunst wird nie allein wahrgenommen werden, sondern immer in ihrer „grünen“ Umgebung, unter dem Einfluss der jeweiligen Wetterbedingungen, der Tageszeit und der entsprechenden Lichtsituation, dem Wandel der jahreszeitlichen Wechsel der Vegetationsperioden.

Die komplexe und ambivalente Beziehung von Mensch und Natur wird exemplarisch in vielen einzelnen Akzenten für den Besucher über die Installationen erlebbar. Der Wolkenzug inszeniert eine eigene Dramaturgie von Licht und Schatten, die sich der Kontrolle des Künstlers entzieht. Der Wechsel vom Tag zur Nachtsituation macht diese Veränderung besonders deutlich, wie auch die zeitliche Dimension deutlich zu spüren ist.

super bien! – gewächshaus für zeitgenössische kunstist ein künstlerischer Projektraum, konstruiert aus einem gewöhnlichen Gewächshaus, gelegen in einem ruhigem Hinterhof in Berlins wichtigem Galeriebezirk Mitte-Nord. Künstler werden eingeladen, um eigens für den Raum geschaffene Installationen zu entwickeln und zu realisieren. Das Gewächshaus funktioniert als transparentes Labor, das Identitätsmodelle komplexer Systeme verhandelt. Klimatische Bedingungen spielen eine Rolle, wie überhaupt das Außen und Innen in einer immer wieder neu zu deutenden Beziehung stehen. Das Gewächshaus schafft einen Ort, einen Platz zum Sein: eine lange Holzbank lädt zum verweilen ein, die Kunst ist 24 Stunden einsehbar. Das Haus selbst fungiert als Skulptur im öffenlichem Raum, das als Zeichen funktioniert und mit seiner Umgebung kommuniziert.

super bien!
gewächshaus für zeitgenössische kunst
Schwedter Str. 232
10435 Berlin

(auf dem Gelände der Ateliergemeinschaft Milchhof e. V. | Kuratorische Leitung: Anne Katrin Stork)

17. 03. – 24. 04. 2017 | Die Installation ist jederzeit von außen zu sehen

http://www.superbien.de/ | https://www.olivermoest.com/

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